Die Herausforderung Arktis

Was Freiheit bedeuten kann - das kann uns ein Reiseerlebnis in arktischen Gebieten lehren, und zwar in dem Sinne, in dem Alfred Andersch in seinem Buch "Hohe Breitengrade" darüber spricht:

Blick auf Spitzbergen "Grenzen sind dazu da, überschritten zu werden: dies gilt als Lehrsatz und als Schicksal, am unerbittlichsten bei denen, die von Freiheit sprechen; den furchtbaren Widerspruch zu ihr, der in einem Zwang zum Überschreiten steckt, bemerken sie nicht. Freiheit wäre da, wo wir an einer Grenze sagen: es ist genug. Es reicht uns. Dies ist meine Utopie, und sie ist so gut wie jede andere. Wie sieht es aus an einem Ort, von dem der Mensch sich wieder zurückgezogen hat? Friedlich und schön".

Spitzbergen als der Ort, von dem die Menschen sich wieder zurückgezogen hat: das ist graduell sogar richtig. Es trifft für diese Insel in einem relativ hohen Grad zu. Der Rückzug ist nicht vollständig, und wird es sicher nie sein. Aber er ist an vielen Stellen vollzogen, und die Folgen sind deutlich auszumachen.

Das Gegenteil davon, der Vorstoß der Menschen, begann bereits im 16. Jahrhundert und zeitigte bereits nach wenigen Jahren schlimme Folgen: Wale waren im Nordpolarmeer bereits um 1650 nahezu ausgerottet, Robben und Walrosse stark dezimiert.
"Ein Jahrhundert nach der Ausplünderung des Meeres wurde die Tierwelt des Landes vernichtet... Bekanntlich ist die Natur dazu da, von uns ausgebeutet zu werden... Die Walschlächter und die Pelzhändler waren nur die Vorläufer der Leute, die heute in das letzte, entlegenste Tal einen Staudamm setzen und den Bergbach austrocknen, der dort fließt. Was mit den Harpunen und den Zunderflinten begann, endet heute in Seen, in denen niemand mehr badet, in vergifteter Luft und im Häuser-Schund und Fabriken-Unrat, der sich über Wiesen- und Wälderlandschaften und über Meeresküsten hinzieht wie ein Geschwür... Als unvorstellbar gilt, der Mensch könne sich aus eigenem Entschluß zurückziehen."
Staudämme, Fabriken, Zersiedelung - Fremdworte in Spitzbergen. - Oder doch, nicht ganz: Es gibt so etwas wie Fabriken: die Kohlebergwerke; und Kraftwerke, die jeweils Elektrizität und Wärme in die Siedlungen liefern. Und Zersiedlung? die Siedlungen - wie planvoll sie teilweise auch entstanden sein mögen, nicht jeder Blick auf sie ist ein ästhetischer Genuß. Aber "Häuser-Schund" kann man auch nicht sagen. In Spitzbergens Seen hat wohl noch kein Mensch gebadet, aber das nur wegen der Temperaturen, das Wasser dürfte klar und sauber sein. Vielleicht gibt es aber irgendwo, vielleicht am Bergwerk oder an einer Werkstatt, auch Ölpfützen, Umweltverschmutzungen? Sicher. Doch ob so etwas heute noch zunehmen kann, ist zu bezweifeln. Die Vertreter der Staatsmacht, der Sysselmann und seine Polizisten, nehmen die Aufgaben zur Überwachung der Umweltrichtlinien sehr ernst.

© Mechtild Opel 1998

Noorderlicht Für das Kennenlernen von Spitzbergen im Sommer 1998 haben wir ein Fortbewegungsmittel gewählt, das zwar nicht das einzig denkbare, aber das am besten passende ist: ein eistüchtiges Segelboot, die Noorderlicht.

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